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PNN 08.06.2009: Auf den Spuren



Auf den Spuren der Friedhofsbahn Noch heute findet man Fragmente der Strecke

Stahnsdorf - Für viele „Passagiere“ war es die letzte Fahrt, die sie vom Güterbahnhof Berlin Halensee über Wannsee nach Stahnsdorf unternahmen. Denn auf dieser Strecke verkehrten spezielle Züge, die Verstorbene in ihren Särgen zum Südwestkirchhof transportierten. Aber auch Trauergäste – und natürlich viele Stahnsdorfer und Berliner – nutzten die „Friedhofsbahn“, die am 2.Juni 1913 eröffnet und zur wichtigsten Verkehrsanbindung des Ortes wurde. Eine solch gute Anbindung des Kirchhofs sei für damalige Zeiten sensationell gewesen, sagt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt. Der Förderverein Südwestkirchhof hatte zusammen mit dem Stahnsdorfer Heimatverein am Samstag zur Trassenwanderung eingeladen, um an die Bedeutung zu erinnern, welche die Strecke einst gehabt hatte – und wieder haben könnte. Rund 50 Gäste waren gefolgt.

Der Bau der 4,2 Kilometer langen Bahntrasse habe zum Konzept der zentralen Begräbnisstätte gehört, so Ihlefeldt, da Gemeinden wie Charlottenburg und Schöneberg weit entfernt lagen. Schnell erkannte auch die Terraingesellschaft Stahnsdorf die vorteilhafte Anbindung und beteiligte sich mit 630 000 Mark am Streckenbau, mit der Bedingung eines Haltepunktes in Dreilinden. Mit 1,2 Millionen Mark griff auch der Berliner Stadtsynodalverband als Träger des Friedhofes tief in die Tasche. Eine lohnende Investition, denn der im Stil eines Parks angelegte Friedhof wurde zum beliebten Ausflugsziel. Zudem sei es nach dem Ersten Weltkrieg „in“ gewesen, sich dort beisetzen zu lassen.

Auf der zweistündigen Spurensuche fanden sich noch Fragmente wie Bahnsteigkanten, Kilometersteine und Schienenreste. Während die Gleise auf Westberliner Seite nach 1961 demontiert wurden, blieben sie auf östlicher Seite liegen – und wurden teilweise zu Panzersperren umfunktioniert. Auch Reste von Brücken gibt es noch und Jürgen Böhm vom Heimatverein machte darauf aufmerksam, dass die Brücke über den Teerofenweg bereits für eine zweispurige Verbindung angelegt worden war. Wie weit die Vorväter einst dachten, beweise auch der Bau des Stahnsdorfer Bahnhofes, so Böhm, der nicht als Kopfbahnhof errichtet wurde, sondern erlaubte, die Strecke weiterzuführen. Das einsturzgefährdete Gebäude wurde 1976 abgerissen.

Doch die „Friedhofsbahn" sorgt weiter für Diskussionen, auch am Samstag erinnerten Besucher daran, dass laut Einigungsvertrag alle ehemaligen Bahnverbindungen zwischen Berlin und dem Umland wieder hergestellt werden sollten. Bislang sei immer argumentiert worden, dass die Überbrückung der Autobahn zu schwierig wäre. Olaf Ihlefeldt verwies aber auf die Senke der A 115, die angelegt worden sei, um später einmal eine Brücke errichten zu können. Er selbst ist optimistisch, dass die Strecke wieder eröffnet wird, auch wenn das noch Jahre dauern könnte.

In Kürze werden Stahnsdorfs Gemeindevertreter mit dem Flächennutzungsplan voraussichtlich auch die Freihaltung der Trasse beschließen. Außerdem wird demnächst die Klage der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg gegen die Deutsche Bahn vor dem Berliner Verwaltungsgericht verhandelt. Aus Sicht der Kirche ist die Bahn als Rechtsnachfolgerin des früheren Betreibers nach wie vor verpflichtet, für Betrieb und Erhalt der Strecke zu sorgen.

Kirsten Graulich

PNN, 8.6.2009

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