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26.06.2015: Morgenpost

Die Bahn soll kommen

Kleinmachnow will den Anschluss an das S-Bahnnetz. Finanzminister zeigt sich aufgeschlossen

"Beste Aussichten für ihren Firmensitz" - mit einem riesigen Schild wirbt der "Europarc Dreilinden" um Interessenten. "Vermietungsbüro provisionsfrei" ist nur wenige Meter weiter zu lesen. Gegenüber prangt ein rotes Transparent mit gelber Schrift "Büroraum 1. OG zu vermieten." Im Gewerbepark an der A 115 südlich von Berlin ist noch viel Platz. Derzeit haben sich hier 85 Unternehmen angesiedelt, darunter das Internetauktionshaus eBay. Europarc-Geschäftsführer Jacky Starck sagt: "Derzeit arbeiten rund 3000 Mitarbeiter auf dem Gelände, es könnten doppelt so viele sein." Viele große Unternehmen zögerten, ihren Sitz nach Kleinmachnow zu verlegen - "weil die S-Bahnanbindung nach Berlin fehlt", wie Stark sagt. Die Beschäftigten müssen am S-Bahnhof Wannsee in den Bus umsteigen. Am Donnerstag warb der Europarc-Chef mit Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) bei der Landesregierung für eine Verlängerung der S-Bahn ins südwestliche Umland von Berlin.
Hoffnung Friedhofsbahn

Bürgermeister Grubert und der Vizevorsitzende der Gemeindevertretung Klaus-Jürgen Warnick (Linke) führten Finanzminister Christian Görke (Linke) auf den nahegelegenen Teerofendamm. Unter der dortigen Brücke liegen immer noch die Reste der früheren Friedhofsbahn. Die gut vier Kilometer lange Strecke verband einst Wannsee mit dem Stahnsdorfer Südwest-Friedhof. Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde aber der gesamte S-Bahnverkehr eingestellt. Die DDR ließ einen großen Teil der Gleise abbauen.

Auf der wild bewachsenen Strecke ruht die Hoffnung der Region Teltow-Stahnsdorf-Kleinmachnow. "Die Region zählt zu den meistwachsenden in Deutschland und sie wird weiter wachsen", sagt Bürgermeister Grunert. "Laut Prognosen von derzeit 60.500 Menschen auf 63.000 bis 64.000 bis zum Jahr 2020." Wer ins grüne Umland zieht, will möglichst schnell zum Arbeiten in die Hauptstadt kommen. Kleinmachnow hat eine Autobahnanbindung, aber keinen S-Bahnanschluss. Das sich direkt anschließende Stahnsdorf hat weder das eine, noch das andere. Die S-Bahn endet in der Nachbarstadt Teltow. Dort reichen die Parkplätze schon lange nicht mehr aus, weil in Teltow alle einsteigen, sofern sie nicht mit dem Auto in die günstigere AB-Zone fahren und von dort die S-Bahn nach Berlin nehmen. Der Linke Klaus-Jürgen Warnick erläutert seinem Parteichef, Finanzminister Görke, wie die Region eine angemessene Verkehrsanbindung erhalten kann. Die stillgelegte, aber nicht entwidmete Strecke der ehemaligen Friedhofsbahn soll ab dem S-Bahnhof Wannsee nach Dreilinden und von dort nach Stahnsdorf zum Südwestfriedhof ertüchtigt werden. Gleichzeitig kämpfen die drei Kommunen darum, dass die S-Bahnstrecke von Berlin-Zehlendorf nach Teltow zum Gewerbepark in Stahnsdorf verlängert wird. "Das würde auch eine Entlastung des Autoverkehrs bringen", argumentiert Warnick. Später könne es dann zum Ringschluss kommen. Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow haben für 30.000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wird in diesem Jahr erwartet.

Finanzminister Görke zeigt Verständnis für die Probleme "da, wo der Berlin-Brei sich rauswälzt". Die rot-rote Landesregierung will sich stärker um den Speckgürtel kümmern und so hat das Infrastrukturministerium zugesagt, die geforderten S-Bahnverlängerungen zu prüfen. Auch Velten (Oberhavel) kämpft um einen Anschluss, in Falkensee (Havelland) ist man sich nicht einig, ob man nicht besser auf die Regionalbahn setzen sollte.

Der Minister macht durchaus Hoffnung, dass es im Südwesten klappen könnte. "Das Projekt ist nachhaltig, wirtschaftlich vernünftig und verkehrspolitisch sinnvoll." Gelinge es den Ländern nicht, beim Bund die Erhöhung der Regionalisierungsmittel durchzusetzen, könne es aber keine weitere S-Bahnen geben. Bahnsprecher Burkhard Ahlert sagt: "Das ist eine politische Entscheidung. Wir sind bereit, den Verkehr auf weiteren Strecken fahren zu lassen, wenn er bestellt wird."

Vor 2016 will die Landesregierung keine Entscheidung treffen. "Danach dauert es sicherlich noch fünf Jahre, bis die ersten Züge rollen könnten", sagt Kleinmachnows Bürgermeister Grubert. Er ist schon froh, dass das Land diese Option prüft.

Von Gudrun Mallwitz
Morgenpost
26.6.2015
http://www.morgenpost.de/brandenburg/article205419333/Die-Bahn-soll-kommen.html

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