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12.09.2013: MAZ

Friedhofsbahnbrücke soll fallen

Noch in diesem Jahr könnte die alte Bahnüberführung über den Teltowkanal, die "Friedhofsbahnbrücke", fallen. "Die DB Netz AG plant den Abriss der Eisenbahnüberführung noch innerhalb dieses, spätestens im nächsten Jahr", erläuterte Bahnsprecher Gisbert Gahler am Mittwoch entsprechende Planungen.

Die Brücke werde zunehmend zu einer Gefahr für den darunter liegenden Teltowkanal mit dem entsprechenden Schiffsverkehr. "Eine Umrüstung zu einer Fußgängerbrücke" ‒ das wurde etwa während der Vorbereitung zum Deutschen Wandertag 2012 in der Region diskutiert ‒ "kann grundsätzlich nicht durch die Netz AG erfolgen, da sie ausschließlich Schienenwege betreibt", sagte Gahler. "Dies wäre also nur möglich, wenn die benachbarten Kommunen die Brücke nebst zugehörigen Grundstücken erwerben und die Sanierungs- und Umrüstarbeiten übernehmen. Es sind jedoch keine derartigen Aktivitäten der Kommunen bekannt", erklärte der Pressesprecher.

Tatsächlich scheinen die Tage des rostigen, gleichwohl imposanten Bauwerks gezählt. "Die alte Friedhofsbahnbrücke ist derzeit in Kleinmachnow kein Thema", sagte Bürgermeister Michael Grubert (SPD) in einer ersten Reaktion auf die Frage der MAZ, ob die Brücke für Fußgänger und Radler ertüchtigt werden könnte. "Ich würde es sehr bedauern, wenn die Brücke verschwindet. Sie ist Mahnmal dafür, dass Stahnsdorf einen Anspruch auf den Wiederanschluss an das S-Bahn-Netz hat", kommentierte der Stahnsdorfer Bürgermeister Bernd Albers die Entwicklung. "Die komplette Brücke auf eigene Kosten zu sanieren dürfte aber unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Und Anfragen an die Bahn, zu genehmigen, die Brücke für Fußgänger mit neuen Holzbohlen passierbar zu machen, brachten vor einigen Jahren keine konkreten Ergebnisse", berichtet Albers.

Am 2. Juni 1913 nahm die Friedhofsbahn zwischen Wannsee und Stahnsdorf ihren Betrieb auf. Die auch Witwenexpress genannte Strecke wurde anfangs hauptsächlich gebraucht, um Särge und Friedhofsbesucher von Berlin zum Südwestkirchhof zu transportieren. Später nutzten sie auch Stahnsdorfer, die in Berlin arbeiteten. Denn nach der Elektrifizierung 1928 gelangten Fahrgäste in nur sechs Minuten zum Bahnhof Wannsee und von dort nach Berlin und Potsdam.

Heute erinnert wenig an die glanzvollen Zeiten schneller Verbindungswege. Die Strecke, deren Inbetriebnahme sich jüngst zum 100. Mal jährte und deren Endstation in Stahnsdorf einst ein Bahnhof am Südwestkirchhof krönte, wurde 1961 stillgelegt. Nach der Wende gab es Überlegungen, die Verbindung wieder aufzunehmen und nach Stahnsdorf-Mitte und Teltow zu verlängern. Doch diese Planspiele zur Verwirklichung eines S-Bahn-Ringschlusses in der Region kamen nicht voran. Die Evangelische Landeskirche stritt bis zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg um die Wiederinbetriebnahme. Sie berief sich auf einen Vertrag aus dem Jahre 1909 zwischen Kirche und Reichsbahn: Die Kirche übereignete einst Grundstücke an die Bahn mit der Maßgabe, dass die Friedhofsbahn "auf alle Ewigkeit" betrieben wird. Doch die Kirche scheiterte.

Und so konstatiert Gahler: "Seitdem laufen die Planungen zum Rückbau, um die hohen Kosten für die Verkehrssicherung künftig einzusparen. Wegen fehlendem Verkehrsbedarfs besteht seitens der Bahn kein Interesse am Wiederaufbau. Auch Berlin und Brandenburg haben bisher diese Strecke nicht in ihre Verkehrsentwicklungsplanung aufgenommen".

Von Konstanze Wild
MAZ
12.9.2013
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Friedhofsbahnbruecke-soll-fallen

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