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03.04.2013: MAZ

Bahnfest ohne Bahn

Stahnsdorf plant Jubiläumsfeier zur Schienenanbindung / Forderung nach Wiederinbetriebnahme

Stahnsdorf - Die Gemeinde Stahnsdorf feiert in diesem Jahr 100 Jahre S-Bahn – obwohl es dort gar keine S-Bahn gibt. Durch die Mitglieder der Kommunalen Arbeitsgruppe Der Teltow (KAT) ging ein leichtes Schmunzeln, als Bürgermeister Bernd Albers jüngst darüber informierte. Albers ist selbst Cheforganisator der Feiern. „Wir wollen ein Zeichen setzen, an unseren ehemaligen S-Bahn-Anschluss erinnern, aber auch mahnen“ sagte der Bürgermeister, der sich für die Wiederinbetriebnahme der Bahn in seiner Gemeinde einsetzt. Dass es dafür absehbar grünes Licht gibt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Gefeiert werden soll am Sonntag, dem 2. Juni. Dann ist es genau 100 Jahre her, dass die Strecke von Wannsee nach Stahnsdorf eröffnet wurde. Als gestrichelte Linie ist sie bereits auf einem Netzplan vom Juli 1912 zu sehen. Endstation war am Südwestkirchhof. Die zu Berlin gehörende Begräbnisstätte war damals neu, und die Friedhofsbahn eine der wichtigsten Baumaßnahmen im Schienenverkehr von Berlin und Umgebung. Die Baukosten wurden zum größten Teil von der Berliner Stadtsynode aufgebracht. In Stahnsdorf entstanden neben dem Empfangsgebäude und einer Bahnhofswirtschaft auch Wohnhäuser für die Eisenbahner und ein separates Gebäude für die Verstorbenen – auch sie wurden per Zug transportiert; dafür gab es spezielle Waggons. Einzige Zwischenstation auf der viereinhalb Kilometer langen Strecke war Dreilinden. Die Hochbauten entstanden nach Entwürfen von Gustav Werner.

Für den Personenverkehr fuhren zunächst werktags zehn, sonntags 16 Züge. Am 10. Juli 1928 wurde der elektrische S-Bahnbetrieb aufgenommen. Mit dem Mauerbau im August 1961 haben die DDR-Behörden die Strecke stillgelegt. 1970 wurde das Empfangsgebäude in Dreilinden abgerissen, 1976 das in Stahnsdorf. Da die Gemeinde die Hoffnung auf die Wiederinbetriebnahme des Bahnverkehrs nicht aufgegeben hat, wurde in ihrem Flächennutzungsplan das Gelände am einstigen Bahnhof – direkt gegenüber dem Friedhofseingang – als Park-and-Ride-Platz ausgewiesen. Die Stahnsdorf am nächsten gelegenen Bahnhöfe befinden sich in Teltow.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) will daran auch nichts ändern. Er verweist auf das gut funktionierende Busnetz. Der KAT-Vorsitzende Jens Klocksin (SPD), nach eigenen Angaben reger Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, hat jetzt heftige Kritik an der Haltung des VBB geübt, besonders, weil dieser die Verlängerung der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf ablehnt. Klocksin schrieb in einem Brief an VBB-Geschäftsführer Werner Franz, das Busangebot sei besser geworden, weil Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf es mit Eigenmitteln kofinanzieren. Im Umkehrschluss stellt Klocksin die Frage in den Raum: „Die Region streicht das Angebot, und die S-Bahn wird gebaut?“

Zum 50. Jahrestag der Stilllegung der Friedhofsbahn hatte im Jahr 2011 eine Inszenierung rund um die alten Bahnhofstüren zahlreiche Interessierte angelockt. Für Bürgermeister Albers ist dieser Erfolg Anlass zum nunmehr bevorstehenden neuen Jubiläum, die Initiatoren der bisherigen Ausstellungen und historisch interessierte Bürger an einen Tisch zu holen. Das erste Treffen hat bereits stattgefunden und seitdem stehen auch die Konturen des Programms fest.

Am 2. Juni, wird es Vorträge geben, ein Programm für Familien und eine Führung entlang der alten Trasse. Auch eine Installation ist wieder geplant. Diesmal soll ein bleibendes Denkmal geschaffen werden, das die Erinnerung an den Bahnhof wachhält.

Dafür hat Albers’ Projektgruppe Zusagen verschiedener Akteure, die sich an dem Gedenktag ebenfalls einbringen werden: das S-Bahn-Museum und die Bürgerinitiative Stammbahn.

Als eine kleine Sensation sieht die Gemeindeverwaltung im Rahmen der Vorbereitungen die Entdeckung eines Kleinodes. Im Garten des Künstlers Egon Wrobel hat Robert Mielke eines der originalen S-Bahn-Schilder entdeckt. Es soll den Fahrgästen schon vor 100 Jahren den Bahnhof Stahnsdorf angezeigt haben. Der Stahnsdorfer Wrobel, einer der führenden Keramikplastiker Deutschlands, hatte das Schild schon vor Jahrzehnten gerettet. Es soll aufgearbeitet werden und wird am Festwochenende ausgestellt. Die Projektgruppe hofft, dass noch weitere Zeugnisse der Stahnsdorfer Eisenbahngeschichte gefunden werden. Albers ruft die Bürger auf, möglicherweise vorhandene aussagekräftige Bilder, originale Fundstücke vom alten Bahnhof wie Abfahrtkellen, Fahrpläne, Knipserzangen oder ähnliches für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. (Von Stephan Laude)

Wer etwas zur Ausstellung beitragen kann, wird gebeten, sich an die Gemeindeverwaltung zu wenden, 03329/64 6 2 08, Frau Knote, oder Gemeinde[at]Stahnsdorf.de.

MAZ
3.4.2013
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12495769/60889/Stahnsdorf-plant-Jubilaeumsfeier-zur-Schienenanbindung-Forderung-nach-Wiederinbetriebnahme.html

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